von Erich Bongard
siehe auch: Der Lehnshof Huppenbroich
siehe auch: Die Huppenbroicher Mühle
Die Geschichte des Ortes Huppenbroich beginnt in der "Krolei", am Zufluß des Gössessief - Göselsief - Woffertssief und dem Meißenbruch, damals Meyssenburg, Mergenbür oder Meisenbroich genannt. Dieses Gebiet gehört heute noch zur Huppenbroicher Flur 11, während vor 500 und mehr Jahren die Gemarkungen von Huppenbroich noch bedeutend weiter nach Westen bzw. Nordwesten vorgeschoben waren. Noch im Lagerbuch von 1583 wird eine Flur »Auff Meißenrodt« als Huppenbroicher Flur unter dem Oberbegriff »In der Dieffenbach« genannt. Erst später, als die Bevölkerungszahl nicht mehr der Grundfläche entsprach, wurde eine Gebietserweiterung in der Hauptsache zugunsten Simmeraths vorgenommen.
1214
Im Mai hielt Herzog Walram III. eine großartige Hochzeit im Schloss zu Luxemburg, als er als Witwer die Witwe Ermesinde II., die Erbin von Luxemburg ehelichte. Außer den Vasallen nahmen 134 Ritter und 8 Grafen an den Hochzeitsfeiern teil, u.a, auch der Ritter Evrard de Meyssemburg, wie in einer Urkunde namentlich aufgeführt ist. Es heißt später in den Archivunterlagen, dass die alten Höfe - auch des Montjoierlandes - zahlreich bei den o.a. Hochzeitsfeierlichkeiten vertreten waren, so auch Evrard vom Meisenbruch am Göselsief, abgebrannt und neu errichtet in Huppenbroich. Ob Meisenbruch schon im Jahre 1214 abgebrannt ist, steht nirgendwo geschrieben.
1334
wurde in Cuntzen (Conzen, Kontzen) eine Urkunde geschrieben, in der von einem Berhardo Weyermann die Rede ist. In den Archivunterlagen heißt es, dass die Häuser des Weyermann, von der Call in Frohnrat (Am Gericht und Vorgänger von Eicherscheid) verschwunden sind, wie Mergenbür (Meisenbruch) unterhalb des Gerichts. Wegen Kriegszügen und Belästigungen haben sich die Einwohner von Frohnrat und Mergenbür (Meisenbruch) abseits in Eicherscheid und Huppenbroich angesiedelt. Also muss es im Jahre 1334 auch schon ein Dorf Meisenbruch gegeben haben, wenn auch mit wenigen Häusern. Man kann also davon ausgehen, dass das eigentliche Dorf Huppenbroich im Jahre 1334 in den ersten Anfängen schon bestanden hat.
1369
Im diesem Jahr vermachte gemäß einer Urkunde der Ritter und Edelherr Reinhard von Schönforst seinem zweitältesten Sohne, dem langjährigen Propst Johan von Mastricht das Montjoierländchen, nämlich »borch, stat, lant ind gantze heilichkeit von Monjoye mit eren aIlineghen zobehoeren, mit den dorperen«. Bei den »dorperen« (Dörfern) sind u.a. erwähnt Vroenrath (jetzt Eicherscheid) und Meysenbroich, zerstört, jetzt Huppenbraich. Um diese Zeit muss auch schon der Lehnshof Huppenbroich bestanden haben, dessen Geschichte nachfolgend gesondert beschrieben wird.
1550
Nach einer Urkunde vom 26.06.1550 findet eine Zeugenvernehmung der ältesten Einwohner von Huppenbroich durch den dortigen Forstbeamten statt. Es handelt sich um den Umfang des zum Lehnshof gehörenden Zehnten. Die Namen der beiden Zeugen sind: Heynen Meyss, 83 Jahre alt und Johan Scheyr, zwischen 60 und 70 Jahre alt.
1568
Bis 1568 muss die Einwohnerzahl derart zugenommen haben, dass die landwirtschaftliche Nutzfläche nicht mehr ausreichte, um alle satt zu machen. In den vorliegenden Unterlagen ist nämlich vermerkt, dass um 1568 der Wald größtenteils ohne Erlaubnis zu Ackerland und Wiesen gemacht worden ist, so dass die Jülicher Behörde die neu gewonnenen Ländereien zwangsweise vermessen und verpachten ließ.
1647
In einer Namensliste nach der Forstmeister-Rechnung des Jahres 1647/48 sind die Einwohner der einzelnen Orte aufgeführt, die ihre Abgaben in Wrogen (Geldeinheit) für Brand- und Zaunholz zu entrichten hatten. Unter der Rubrik »Hoppenbroch« erscheinen folgende Namen:
Peter Halfman (Halfenn), Gilleß Peter furst (frey), Petergeß Joriß, Dahm Mühller, Hubert Valentin, Aretz Theißen, Schmidgen arm, Hillen Johann, Nelleß Weißhaubt, Palmen Kristgenß hauß, Krein Lauterbach, Merten Halfman, Joriß Lauterbach, Halfen Johann, Joriß Weißhaubt, Theisen Johann, Janß Jöriß Kind, Gerhard lauterbachs fraw, Thoniß Theweß, Hubertz Johann, Wilhelm Bertzborn, Peterß Gerhard, Koppen Henrichs Wit., Thoniß Claiß,
Johann Gantzert.
Ob es sich bei dieser Namensliste um alle Haushalte oder Einwohner handelt, ist nicht sicher. Es heißt nämlich in der Urkunde, dass die Bürger ihren Bedarf an Brennholz von dem abständigen Halfen Arnold (Aret), Jann Mühller, und unschädlichen Holz umsonst nach Weisung des Försters entnehmen können.
1730
Huppenbroich muss in den Jahren 1730/31 schon aus 33 Häusern bzw. Haushalten bestanden haben. Beim Antritt eines neuen Herrschers war es nun damals üblich, dass die Haushaltsvorstände und selbständigen Steuerzahler dem neuen Herrscher den Treueid zu leisten hatten. Es ist vermerkt, das von »Huppenbroch« 33 Haushaltsvorstände den Eid geleistet haben.
1799
Im diesem Jahr hatte Huppenbroich 228 Einwohner, die Zahl der Häuser betrug 41. Diese Aufzeichnung wurde gemacht, als das Dorf, wie das gesamte Rheinland, französisch war. Der Rhein bildete damals die Grenze.
1803-1820
In der Franzosenzeit wurde in den Jahren 1803-1820 das Rheinland kartenmäßig erfasst und zwar durch Tranchot und von Müffling. im Kartenblatt 106 ist auch Huppenbroich erfasst worden, wie aus nebenstehendem Kartenausschnitt zu ersehen ist.
Das Ortsbild weist im Wesentlichen die Häuser der Vorkriegszeit auf. Bis 1944 sind nur wenige Häuser dazugekommen und einige - wahrscheinlich durch Brand - verschwunden.
Auffallend ist, dass von den heutigen Straßen nur folgende als befestigt angesehen werden können: Im Schöllchen, Mühlenknippstraße bis zur Abzweigung zur Huppenbroicher Mühle, Weiherstraße bis zur Kapelle, Tiefenbachtalstraße, soweit bebaut, Triftstraße, Trift und Kuhl, soweit bebaut. Dagegen war die gesamte heutige Kapellenstraße nur über eine so genannte
Grasstraße zu erreichen. Auch fehlte eine befestigte Straße zwischen Kuhl und Kapellenstraße. Die Verbindung zu den Nachbarorten war ebenfalls recht kümmerlich. Das Gelände und der Umfang des Lehnshofes Huppenbroich ist noch sehr gut zu erkennen.
1852
Huppenbroich hatte im Jahre 1852 273 Einwohner. In diesem Jahr wurde auch die öffentliche, gemeindeeigene Schule errichtet, nachdem vorher Privaträumlichkeiten als Unterrichtsräume gedient hatten.
1936
Die Flächengröße aller Huppenbroicher Gemarkungen, der Fluren 2, 11 und 12 betrug am 10.10.1936 insgesamt 486 ha. Huppenbroich hatte zu diesem Zeitpunkt 258 Einwohner.
1944/1945
wurde der Ort evakuiert. Durch Kriegseinwirkung - sei es durch Bomben, Granatbeschuss oder Brand wurden fast alle Häuser zerstört. Nur wenige waren 1945 notdürftig bewohnbar.
Nach Kriegsende wurden alle bis auf zwei nach und nach unter unsäglichen Opfern und Mühen wieder aufgebaut.
1983
Während in den letzten 200 Jahren die Zahl der Häuser und Bewohner sich kaum nennenswert verändert hat, hat sich der Ort in den Jahren 1945-1983 enorm vergrößert. Die Zahl der »fuyrstede« - wie es um 1470 hieß (Feuerstätten, Häuser) hat sich mehr als verdoppelt, während die Einwohner um ca. 100 zunahmen.